thali

Joseph

t h a l i

MEHR ALS EIN ESSEN

Vor zwei Jahren haben einige Filmemacher in Poona, Indien, ein wunderbares Restaurant entdeckt. Kein Tourist hätte sich dorthin verirrt, es liegt in einem Hinterhof. Nach vielen Besuchen kam der Regisseurin Marieke Schroeder die Idee, Thali als Konzept für eine Restaurantkette zu entwickeln. Das Essen passt in den Trend der Zeit: vegetarisch, nachhaltig und vielseitig.

Die Idee wurde konkret, die Journalistin Francesca Guidice und die Filmhändlerin Kiki Binnberg kamen dazu und es ging los.

Jetzt präsentieren sie einen ersten Vorgeschmack auf thali das erste Mal in München. Vom 24. - 30. 4 kommen indische Köche und kochen eine Woche lang thali im Josef, Klenzestrasse 99, mittags 12.00 Uhr bis 14.30 Uhr und abends 18.00 Uhr bis 24.00 Uhr.

Essen heute muss mehr können, als satt machen. Hunger ist kein Thema mehr. Die Mittagspause wird immer mehr dazu genützt, aus dem Alltag herauszutreten. Man will etwas für sich tun, etwas erreichen. Das alte Sprichwort - der Mensch ist, was er isst, erfährt eine neue Belebung. Salate, Sandwiches, leichte Nudeln haben Curry-Wurst, Braten-Semmel und Würstel mit Kartoffelsalat abgelöst.

Trotzdem bleibt Unzufriedenheit: zu viele Kohlenhydrate, ein Kloß im Magen, der nach kurzer Zeit von neuem Hunger abgelöst wird und immer noch das Gefühl, dass Sättigung vor guter Ernährung steht.

Der bewusste Mensch will mehr: "functional food", Essen, das mehr kann, das Energien weckt oder einen ruhiger macht, das einen beflügelt oder wiegt. Dieses Essen muss nicht erst erfunden werden, es ist ein Essen nach Jahrtausende alter Erfahrung, es ist ayurvedisches Essen aus dem Herzen Indiens. Und das Beste daran ist, es schmeckt gut, sehr gut.

DIE KÜCHE

Thali besteht aus lauter einzelnen Speisen. Über Stunden werden aus frischem Gemüse, unzähligen Gewürzen und Zutaten wie Kokosmilch und Ghee (purifizierte Butter) verschiedene farbenprächtige Speisen hergestellt. Eine Thalimahlzeit besteht aus acht einzelnen Eintöpfen. Diese gibt es von scharf bis mild. Das ayurvedische Konzept sieht vor, das so genannte "innere Feuer" (agni) anzuheizen und den Körper zum Arbeiten anzuregen. Daß Scharfes den Körper anregt, kennt man, aber die Kunst des Thali ist es, ihn auch wieder einzufangen. Ganz langsam dimmt man das Feuer bis man eine innere Glut verspürt, die einen den Rest des Tages befeuert. Hierzu gibt es meist joghurthaltige Suppen, wie die Rote Beete- Koriander-Joghurtsuppe, die süßlich und scharf zugleich ist. Koriander, so sagt Ayurveda, beeinflusst die Magensäfte positiv. Man beendet seine Mahlzeit nie mit dem Gefühl: ich brauche einen Espresso oder einen Schnaps. Man steht auf, weiß, dass der Körper mit allem versorgt wurde, das er braucht und fühlt sich stark, gewappnet und glücklich. Man ist eben, was man isst.

DAS KONZEPT

Die Indische Küche ist weltweit ein Exportschlager. In jedem Stadtviertel gibt es mindestens ein Restaurant namens Shiva oder Sitar oder Maharadscha. Doch das Angebot beschränkt sich auf wenige Gerichte. Tandoori Chicken in allen Formen, Spinat mit indischem Käse und ansonsten meistens scharf und überwürzt. Die Einrichtung ist meistens ethnisch. Götterstatuen, Stoffbahnen an den Wänden, Elefanten und was man sich noch so unter Indien vorstellen kann.

thali begrüßt seine Gäste ab Ende 2010 in einem modernen Ambiente. Die Wände und die Böden sind aus Beton. Darin Tische und Bänke aus Holz: sachlich, nüchtern und modern. Indien wird lediglich zitiert. Mal ein schönes Set, mal ein indischer Läufer an der Wand, auf den Tischen steht das Thaligeschirr: ein runder Metallteller auf dem kleine Metallschüsselchen stehen. Dazu wenig Besteck.

Luxus besteht auch darin, sich nicht entscheiden zu müssen. Und so geht man auch zum Essen. Man betritt den Raum und setzt sich. Es laufen uniformierte Kellner durch den Raum - jeder hat seine Zuständigkeit. Einige tragen Töpfe mit Thali, einer ist für Brot zuständig, ein Anderer für Reis und ein Weiterer für die Getränke.

Sitzt man, beginnt die Mahlzeit. Man wird bedient. Die Kellner reichen einem Speisen und Getränke, man sagt lediglich "mehr" oder "Stopp". Wenn man genug hat, hört man einfach auf. Das ist die ayurvedische Idee: der Mensch wird an der Hand genommen, er muss sich nicht überlegen, wie viele Vitamine er wo erhalten hat. Das haben viele traditionelle Köche über Jahrhunderte entwickelt. Wer will, kann sich darüber auf einfachen Tafeln und im Internet informieren. Für die Eiligen kann es ganz schnell gehen und wer Zeit hat, kann es langsamer angehen.

Getrunken wird Wasser, hausgemachte Limonaden, frische Säfte und der traditionelle indische Chai - ein Schwarztee mit Gewürzen und Milch. Aber es gibt auch Alkohol, wie indisches Bier und gute Weine. Europäische Weine, aber auch Weine von einem Winzer aus Poona in Indien. Bombay Saphire und andere indisch/britische Spirituosen erweitern das Angebot für den Abend.

thali bietet aber innerhalb von Bekanntem etwas Neues - indische Küche modern interpretiert. Das Surrounding trifft die Küche: functional food - functional rooms.

Indien ist modern. Indische Frauen werben für westliche Kosmetikkonzerne, westliche Regisseure drehen in Indien, indische Filme werden im deutschen Fernsehen gezeigt und indische Autoren haben schon lange den westlichen Buchmarkt erobert. Indien ist exotisch, ohne zu exotisch zu sein, es hat eine lange Kultur.

Die Menschen des 21. Jahrhunderts sind auf der Suche. Millionen Menschen betreiben Yoga, es gibt ihnen ein Werkzeug in die Hand, sich selbst zu erkennen. Indien ist schon lange nicht mehr das Land der Aussteiger. Ebenso wenig wie Yoga in der alternativen Ecke steckt. Nein! Models und Manager betreiben Yoga. Und ayurvedisches Essen, wie unser thali führt weiter. Es erlaubt bewusstes Essen und Nachhaltigkeit.

DIE GESCHICHTE

thali begann in Poona, Indien. Das Restaurant Shreyas bietet Thali an, wie man es kaum kennt. Die Rezepte - nord- und südindisch - stammen aus alter Familientradition. Die Familie Chitale ist eine alteingesessene Brahmanenfamilie, hinduistisch und streng nach ayurvedischen Grundsätzen lebend. Das Restaurant ist für Touristen unauffindbar, es ist immer überfüllt und wer einmal dort gegessen hat, kehrt immer wieder.

 

Weitere Infos: Marieke Schroeder, Siegfriedstr 16, 80803 München